EINMANNDING

ZEITVERDICHTUNG

Blick in’s Grüne , Nachttext am 15.06.2016

Posted on 15 Juni, 2016 in Uncategorized

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Blick in’s Grüne

 

Von meiner Schreibscharte aus,

durch einen ständig anschwellenden warmen Blutregen hindurch,

dieser friedliche Blick in’s Grüne.

Eichen,Eschen,Linden,

Vogelkirschen und Hainbuchen ziehen

in lockerer Marschordnung durchs Tal.

Den Stift im Anschlag

sinniere ich über den Dreißigjährigen Krieg

und über alle dreihundert Kriege die danach kamen.

Oder sind es nicht eher dreitausend?

Ich ahne :

Der Mensch ist eine entsetzliche Erfindung,

der er in zunehmendem Maße nicht Herr wird.

Mein Beitrag dazu:

Ein Schuss ins Blaue


Kanalwärts , Abendtext vom 12.06.2016

Posted on 12 Juni, 2016 in Uncategorized

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Kanalwärts

 

Hier treffen sich alle Parallelen zügig im Fernweh.

An welche Richtung du auch dein Ziel wendest,

jede Mühsal hält dir die Waage.

Zwar sind die Pappeln und der Vorstellungsraum

einwenig gekrümmt im Abschiedsschmerz,

doch mein Leicht-Sinn ist luftbereift und folgt der Libelle.

Der Himmel exakt zur Messlatte gespiegelt,

treidelt mich das Vergessen freundlich vor sich her.

In regelmäßigen Abständen

Schilder mit Zahlen und Zeichen,

später dann ein Brückenbogen,

der mit dem anderen Ufer lockt.

Meistens im achten Gang,

lockertrittig,rückenwindig,

legt sich ein wachsender Abstand

zwischen Theorie und Paxis.

 

 

 

 

 


Ein heißes Fußbad , Abend-Text zum 11.06.2016

Posted on 11 Juni, 2016 in Uncategorized

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Ein heißes Fußbad                                ( für Karsten Wittke)

 

Ein heißes Fußbad !

Freund !

jetzt ist die Zeit gekommen,

nach einem Abbruch-Haufen ausgelatschter Jahre.

Die engen Stiefel deiner Möglichkeiten.

Wir und die Frauen nicht spendabel mit der Liebe.

Leichtfüssig ungehindert sind die Kinder aufgebrochen,

den großen Nutzen von gemachten Fehlern zu erwerben.

Und dann ein kalter Aufguss

Freund,

erfrischt schau auf dein Holz mit seinen gut gesetzten Schulden- Kerben.

 

Ein heißes Fußbad,

Freund,

das wollen wir uns gönnen,

der Mai fällt kühl aus dieses Jahr,

der Brennholz Vorrat unterm Schuppen geht zur Neige,

wir schlüpfen in die Bastsandalen vor der Tür,

wir schlurfen nach dem Regen durch den Garten,

betrachten wie er unbeirrt dem Wildwuchs und der Blüte frönt,

und dann ein kalter Aufguss,

Freund,

damit in unsern halbverdorrten Herzen, notwendig sich die Güte mit dem Zorn versöhnt.

 

 

 


Kultur , Nachttext vom 11.06.2016

Posted on 10 Juni, 2016 in Uncategorized

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Kultur

 

Erst töten,

dann dichten,

erst dichten,

dann töten.

 

Erst töten,

dann tanzen,

erst tanzen,

dann töten.

 

Erst töten,

dann malen,

erst malen,

dann töten.

 

Erst töten,

dann singen,

erst singen,

dann töten.

 

Erst töten,

dann segnen,

erst segnen,

dann töten.

Erst töten,

dann beten,

erst beten,

dann töten.

 

Erst töten,

dann zeugen,

erst zeugen,

dann töten.

 

Erst töten,

dann töten.

 

 


Ein Glas eiskalte Milch , Nachttext zum 10.und.11.06.2016

Posted on 10 Juni, 2016 in Uncategorized

 

 

 

Ein Glas eiskalte Milch

 

Ein Glas eiskalte Milch am Abend.

wohl wissend,

rahmig , unschuldig weiß,

rinnt sie mir durch die wund gelesene Kehle.

 

 

Schluck für Schluck verdünnt sie mir,

wohl wissend,

die blutige Pisse der Nacht,

die schwarze Galle der Frühe,

die aschblonde Stille der Nachmittage,

wohl wissend.

 

Ein Glas eiskalte Milch am Abend,

wohl wissend,

nichts tröstet mich mehr,

als eine Gruppe wiederkäuender Kühe

im Schatten eines Schlehengebüsches,

wohl wissend…..

 

 

 

 


Amsel , Früher Morgen des 9.06.2016

Posted on 09 Juni, 2016 in Uncategorized

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Amsel

 

Unter meinem Velux-Fenster,vier Uhr dreißig,

hundert Strophen unbeirrt und fleißig.

Kehlengold fein ziseliert,

unerschöpflich variiert.

 

Unter meine Rheumadecke, zwei mal einen Meter,

flieht das Ohr vor frühem Balzgezeter,

schlafbedürftig unterbrochen,

in den Daunenschutz gekrochen.

 

Unterm Dämmerschoppen gegen einundzwanzig Uhr,

wetzt der Hahnrei virtuos die blanke Nachtkoloratur,

eingelullt von seinen Silhouetten-Tönen,

lockt mein Traum mich zu der schnabelschlanken Schönen.

 

 

 

 

 


Konsum , Nachttext vom 08.06.2016

Posted on 08 Juni, 2016 in Uncategorized

 

 

Konsum

 

Als ich sechs war

und meine Großmutter

um ein Pfund Butter und drei Bananen

mit anderen Siedlungsfrauen in der Schlange stand,

betonte man dieses Wort noch auf der ersten Silbe.

 

Heute über die Sechzig hinaus,

habe ich alles

was ich nicht brauche:

Arthritis, Depressionen und Diabetes.

Ich schiebe meinen Wünschelruten-Rollator

durch die fetttriefenden Schlachthallen

der Ausverkaufs (oder wie es Neudeutsch heißt)

Sale-Kathedralen,

gierig nach jeglicher Form von Entbehrlichkeit.

 

Als junger Kerl,

dachte man nicht,

sobald Geld da war

kaufte man.

 

Auf diese Weise

leerten sich die Regale im Hirn,

während die Schränke überquollen

vor lauter ramschiger Irrtümer.

 

Nun aber,

in inniger Zweisamkeit

mit der unveräußerlichen täglichen Dosis

meines zärtlichen Schmerzerwerbes,

kann ich agieren

im durchformulierten Modus

Tabletten entspannter Sparsamkeit.

 

voll bewundernder Ehrfurcht

registriere ich die Gebührenfreiheit des Juniregens

und die geschenkten tief eingesogenen Atemzügen danach.

 

 

 

 


Furchtbart ist es , Eisdielentext vom Nachmittag des 08.06.2016

Posted on 08 Juni, 2016 in Uncategorized

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Furchtbar ist es

 

Furchtbar ist es

leben zu müssen

entlang der Autobahnen.

Gnadenlos überrollt

vom sechsspurigen Fauchen

ihres stickoxydischen Atems.

 

Furchtbar ist es

leben zu müssen

in den Startbahnschneisen

der Flughäfen.

Heulend überbrüllt

an Sonntag Nachmittagen

beim Grillen im Garten.

 

Furchtbar ist es

leben zu müssen

mit der Anhänglichkeit

deines Tinitus.

Seinem ballistischen Pfeifen

zwischen den Einschußlöchern

der Ohren.

 

Furchtbarer ist es

leben zu müssen

unter dem schrillen Geschnäbel

einer zänkischen Frau.

Wie fehlt dir da täglich,

der warme weiche Alt

der Geliebten.